Feuerwerk

Silvester – das war ursprünglich eigentlich nur ein harmloser lateinischer Vorname, der so viel wie „Waldmensch“ bedeutet. Was wir heute damit assoziieren, hat mit Wäldern allerdings nicht mehr so viel zu tun – sehr zum Leidwesen unserer Hunde.

Die wenigsten Hunde lieben Silvester. Doch während der eine Hund lediglich etwas beunruhigt ist, während draußen die Welt unterzugehen scheint, leiden andere unter einem echten Angst-Trauma. Wichtig ist daher bei jungen, unvorbelasteten Hunden die frühzeitige Vorbereitung und Desensibilisierung, damit es zu Traumata erst gar nicht kommen kann. Auch Hunde, die bis dato eher mutig der großen Knallerei entgegengeblickt haben, können urplötzlich Ängste zeigen. Tatsächlich haben Verhaltensforscher beobachtet, dass Hunde mit zunehmendem Alter automatisch geräuschempfindlicher werden - und Angst vor Knallern entwickeln können. Grundsätzlich ist zu beachten, dass Angstprobleme immer therapiert werden sollten. Ein Leben mit andauernder Angst führt zu einem chronischen negativen Stressgeschehen und ist ein tierschutzrelevantes Problem!

 

Warum fürchtet sich ein Hund vor Raketen und Böllern? Der Gehörsinn eines Hundes ist dem des Menschen bei weitem überlegen. Man kann sich also ausmalen, wie sich das Krachen eines Böllers oder das Zischen einer Rakete in den Ohren eines Hundes auswirkt – und wie die Tiere sich bei diesem „Höllenlärm“ fürchten. Die Geräusche des Feuerwerks treten aus Sicht der Tiere unberechenbar auf und sind nicht nur extrem laut, sondern gehen auch mit ängstigendem Brandgeruch und Lichtblitzen einher. Da Sie nicht verhindern können, dass andere Menschen zu Silvester ihrer „Lust am Lärm“ frönen, geben wir Ihnen heute einige Tipps für die wohl stressigste Zeit im Jahr mit auf den Weg.

 

URSACHEN

Bestimmte Rassen (z.B. Border Collies, Bearded Collies) sind häufiger von einer Geräuschempfindlichkeit betroffen als andere. Die Phobie (z.B. bei Gewitter, Feuerwerk, etc.) zeigt sich bei diesen Hunden meist zwischen dem 2. Und 5. Lebensjahr und ist genetisch fixiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Hund eines Wurfes eine Geräuschempfindlichkeit entwickelt. Es tritt jedoch in einigen Zuchtlinien eine starke Häufung auf.

Auch eine mangelhafte Habituation kann der Auslöser für eine Geräuschphobie sein. Dies ist der Fall, wenn Welpen nicht ausreichend mit verschiedenen Geräuschen, z.B. Haushaltsgeräten wie Staubsaugern und anderen Küchengeräten, dosiert konfrontiert wurden. Diese dosierte Konfrontation ist sinnvoll, damit der Hund später keine Angst vor Geräuschen hat.

Lernerfahrungen verstärken die Ängste oft. Die Angst vor einem bestimmten Geräusch (z.B. Donner) wird im Verlauf immer stärker, da die Angst vor der Angst hinzukommt. Zu beobachten ist dies bei der Gewitterangst: zunächst ist es der Donner, der die Angst auslöst, bald schon der starke Regen, der den baldigen Donner ankündigt, zu guter Letzt reicht der sich ändernde Luftdruck vor einem Gewitter, um die Angst auszulösen.

Der verständliche Versuch, dem ängstlichen Hund durch gutes Zureden oder Streicheln Trost zu spenden, verschlimmert das Problem oft noch weiter. Die Zuwendung in diesem Moment stellt eine Aufmerksamkeit dar und bestätigt damit das Angstverhalten des Vierbeiners. Man muss sich vor Auge führen, dass ein Hund die Bedeutung der menschlichen Sprache (außer ein paar Worten) nicht versteht. Auf den Tonfall reagieren Hunde aber sehr wohl – und der ist bei einer Beruhigung und einem Lob gleich! Übersetzt wird dem ängstlichen Hund also vermittelt: „Brav bis du; Toll machst du das mit deiner Angst; Genau richtig verhältst du dich; Hab schön weiter Angst, dann bekommst du Aufmerksamkeit in Form von Lob und Streicheleinheiten.“ Genau das wollen wir als Hundebesitzer doch eigentlich nicht, oder?

 

WORAN ERKENNE ICH, DASS MEIN HUND ANGST HAT?

Die Körpersprache des Hundes lässt Rückschlüsse auf seinen emotionalen Zustand zu. Symptome ängstlichen Verhaltens sind:

Hund Angst- die zurückgelegten bzw. zurückgezogenen Ohren und eine zurückgezogene Gesichtsmuskulatur,

- eine geduckte oder verkrampfte Haltung,

- auf der gesamten Rückenlinie aufgestellte Haare,

- eine tief getragene oder unter dem Bauch eingezogene Rute,

- der Einsatz von Beschwichtigungs- oder Demutsgesten (Blickabwenden, Körperabwenden, eigenes Maul lecken, usw.),

- versteinertes Stehen oder Liegenbleiben,

- die Weigerung weiterzugehen,

- Ausweichen, Flucht, Verkriechen,

- geringe Ansprechbarkeit,

- Jaulen, Winseln, Knurren, Bellen, Heulen,

- bis hin zum aggressiven Verhalten.

 

WIE KANN ICH MEINEM HUND HELFEN?

Die Natur erfordert es, dass Ihr Hund auch am lautesten Tag im Jahr sein Geschäft erledigen muss. Gehen Sie sicher, dass die Umgebung des Hundes zu jeder Zeit sicher ist. Der ruhigste und besterzogenste Hund kann in solchen Ausnahmesituationen unberechenbar reagieren. Ängstliche Tiere sollten Sie am besten in der raketenfreien Zeit ausführen. Lassen Sie Ihren Hund aber beim Spaziergang keinesfalls von der Leine! Ein plötzliches Krachen kann ihn derart erschrecken, dass er in Panik gerät und davonläuft.

Hund FutterBieten Sie Ihrem Hund schon während des Nachmittags eine gute Mahlzeit an, drei Stunden später sollten sie ihm noch einmal eine kohlenhydratreiche Ration anbieten. Zusätzlich können Sie noch Vitamin B6 der Mahlzeit hinzugeben. Dies sollte helfen, Ihrem Hund einen vollen Bauch zu verschaffen. Diese Mahlzeit verstärkt zusätzlich die Wirkung der natürlich im Körper vorkommenden beruhigenden chemischen Verbindungen. Falls nötig, füttern Sie Ihren Hund nur zu diesen beiden Zeitpunkten und geben Sie ihm früher am Tag nichts zu fressen.

Entgegen der früheren, alten Meinung kann man ängstliches Verhalten NICHT durch beruhigendes Ansprechen und Füttern des Hundes verstärken. Zuwendung und Füttern signalisiert dem Hund, dass Frauchen und Herrchen für ihn da sind. Er hat sogar die Möglichkeit, den angsteinflößenden Stimulus mit etwas Angenehmen zu verbinden. Bieten Sie Ihm daher Kauartikel oder Leckerlies an, vorausgesetzt der Hund ist noch nicht zu gestresst und kann Leckerlis annehmen.

Ist Ihr Hund bereits so phobisch und gestresst, dass er keine Leckereien mehr fressen kann, können Sie nur mehr Krisenmanagement betreiben, den Hund in einen abgedunkelten Raum geben und bei ihm bleiben. Da ist aber jeder Hund anders! Manche Hunde bauen ihre Panik durch stressbedingtes Herumlaufen, Hecheln, Winseln, etc. ab, andere werden ganz ruhig und wollen sich nur zurückziehen und verstecken. Sollte Ihr Hund mit gesteigerter, gestresster Aktivität reagieren, versuchen Sie nicht ihn festzuhalten. Versuchen Sie nur für ihn da zu sein und selber so ruhig wie möglich zu bleiben.

Bestrafen Sie Ihren Hund niemals, wenn er ängstlich ist! Die heftige Veränderung Ihres Verhaltens zeigt Ihrem Hund, dass tatsächlich Gefahr und Grund zu Angst besteht. Die Phobie Ihres Hundes wird dadurch nur verstärkt!

Sobald die Zeit der Feuerwerke beginnt, sollten Sie mit Ihrem Hund einen vertrauten Raum aufsuchen, der entweder durch gute Vorhänge oder durch dichte Rollläden gut verdunkelt werden kann. So können Sie nach innen strahlende Lichtblitze der Feuerwerkskörper, quasi die Vorboten für laute Geräusche, vermeiden.

Hund AngstEgal, ob ihr Hund bereits eine Geräuschempfindlichkeit entwickelt hat oder nicht, ist es ratsam einen Komfort-/Wohlfühlplatzes aufzubauen. Einen sicheren Platz, den der Hund, wann immer er es benötigt, später selbstständig für sich als Bewältigungsstrategie wählen und aufsuchen kann.

Manchen Hunden hilft es auch, wenn man sie in eine Decke einwickelt und einfach bei ihnen sitzt. Aber Vorsicht: Zu viel Bemitleiden, am schlimmsten mit einer jämmerlich klingenden Stimme, können den Hund in seiner Angst noch bestärken!

Versuchen Sie es so zu arrangieren, dass sie während dieser Zeit bei Ihrem Hund sein können, da sie sehr soziale Wesen sind. Stellen Sie sicher, dass alle Fenster und Türen geschlossen sind. Damit sich Ihre Hund nicht zu sehr auf die Geräusche von draußen konzentriert, drehen Sie den Fernseher oder Radio auf, um Hintergrundgeräusche zu bekommen, die ihn ablenken. Sie brauchen Fernseher oder Radio nicht laut aufdrehen, es geht nur darum, ablenkende Geräusche zu haben. Beruhigende klassische Musik bietet sich hier sicher am besten an.

Hunde stimmen im Silvestertrubel gerne Heulkonzerte an. Als Tierbesitzer sollte man auf dieses Verhalten aber nicht allzu sehr eingehen, denn das erzielt den gegenteiligen Effekt: Der Hund fühlt sich in seinem Kummer verstanden und will seinen Menschen zum (jaulenden) „Mitleiden“ auffordern.

Bieten Sie Ihrem Hund gewohntes Spielzeug an und wechseln Sie dieses immer wieder aus, damit das Interesse nicht verloren geht. Ignorieren auch Sie selber sämtliche Geräusche und versuchen Sie, Ihren Hund in lustiges, aktives Spiel einzubinden (z.B. Leckerli-Suche). Ihr Hund sollte jedoch selber entscheiden, ob er mitmachen möchte oder nicht.

Medikamente können in manchen Fällen bei Phobien hilfreich sein, sollten jedoch nur unter veterinärmedizinischer Aufsicht und Anleitung verabreicht werden! Es gibt sanft Mittel, z.B. auf pflanzlicher Basis und auf Basis von Milcheiweiß, und – speziell für die „harten Fälle“ – auch hochwirksame medizinische Mittel, die entspannen. Betreiben Sie niemals Selbstmedikation! Achten Sie darauf, dass Ihrem Hund keine muskelentspannenden Substanzen verschrieben werden! Beruhigungsmittel, die lediglich die Muskel entspannen, aber kaum angstlösend sind können im Panikfall eine Katastrophe auslösen: denn stellen Sie sich vor, Sie hätten panische Angst und könnten sich nicht bewegen…

Medikamente sollten idealerweise gegeben werden, noch BEVOR die Silvesterraketen abgefeuert werden bzw. bevor Panik beim Hund einsetzt. Üblicherweise ist das mindestens eine Stunde vor Beginn der Knallerei.

 

IGNORIEREN VERBOTEN!

Angst bei Hunden ist ein hochkomplexes Thema, das man auf jeden Fall ernst nehmen und nicht erst wieder am nächsten Silvesterabend auspacken sollte. Bei einer nicht-behandelten Feuerwerksangst besteht die Gefahr, dass diese Angst generalisiert, sich also auf andere Geräusche (Schüsse, Gewitter, Wind, etc.) ausweitet. Ein kompetenter Hundetrainer kann dabei helfen, dem Hund die Angst zu nehmen und ihm damit wieder mehr Lebensqualität schenken. Der beste Zeitpunkt, die Behandlung zu starten, ist sofort nach Jahresbeginn!

 

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihrem vierbeinigen Liebling einen stressfreien Jahreswechsel.

 

Whuuu!!!

Mountain Wolf

 

Mountain Wolf